Zwei aktuelle Novellen, „Vigil“ von George Saunders und „The Rainseekers“ von Matthew Kressel, bieten völlig unterschiedliche, aber gleichermaßen überzeugende Zukunftsvisionen, die sich beide mit den Themen Abrechnung, Umweltauswirkungen und der Suche nach Sinn in einer sich verändernden Welt auseinandersetzen. Diese Werke sind nicht nur Genreübungen; Sie spiegeln echte Ängste vor dem Klimawandel, der Macht der Unternehmen und der menschlichen Existenz angesichts des technologischen Fortschritts wider.

Mahnwache : Mittäterschaft konfrontieren

Vigil von George Saunders versetzt die Leser in die letzten Stunden von K.J. Boone, ein Ölmagnat, dem der Tod bevorsteht. Die Geschichte entfaltet sich aus der Perspektive von Jill „Doll“ Blaine, einem Geist, der die Aufgabe hat, den sterbenden Mann zu trösten. Boone zeigt jedoch keine Reue für die zerstörerischen Auswirkungen seines Lebens und zwingt Jill, sich nicht nur mit seiner Gleichgültigkeit, sondern auch mit ihrer eigenen ungelösten Vergangenheit auseinanderzusetzen.

Die Stärke der Novelle liegt in Saunders‘ meisterhafter Prosa, die Klischees auf Schritt und Tritt vermeidet. In der Erzählung geht es nicht um eine dramatische Abrechnung; Vielmehr geht es um die beunruhigende Realität, dass manche Menschen selbst in ihren letzten Momenten reuelos bleiben. Während das Ende einige unzufrieden machen mag, fühlt sich das Fehlen eines Abschlusses absichtlich an und spiegelt die ungeklärte Natur der realen Verantwortung für Umweltschäden wider. Die anhaltende Kraft des Buches beruht auf seiner Weigerung, einfache Antworten zu bieten.

The Rainseekers : Die Menschheit auf einem terraformierten Mars

Im Gegensatz zu Saunders‘ fundiertem Realismus präsentiert Matthew Kressels „The Rainseekers“ eine eher spekulative Zukunft. Die Geschichte spielt auf dem Mars, während die Terraforming-Bemühungen erfolgreich zu sein beginnen, und handelt von Sakunja Salazar, einer Influencerin und Journalistin, die sich einer Gruppe anschließt, die entschlossen ist, Zeuge des ersten Regens auf dem Roten Planeten zu werden. Die Novelle entfaltet sich als eine Reihe miteinander verbundener Kurzgeschichten, die jeweils die Beweggründe der „Regensucher“ offenbaren.

Kressel zeichnet sich durch die prägnante Vermittlung komplexer Emotionen und Erzählungen aus. Die fragmentierte Struktur stellt wirkungsvoll eine Gesellschaft dar, die sich mit den Auswirkungen der planetarischen Transformation auseinandersetzt, während sie dennoch mit menschlichen Fehlern belastet ist. Obwohl Sakunja selbst eine weniger überzeugende Figur bleibt, zeichnen die kollektiven Geschichten ein lebendiges Porträt einer Zukunft, in der die Reichweite der Menschheit über die Erde hinausreicht, ihre Kernwünsche und Fehler jedoch fortbestehen.

Ein breiterer Kontext: Science-Fiction als sozialer Kommentar

Beide Werke zeigen, wie Science-Fiction als wirkungsvolles Medium für gesellschaftliche Kommentare dienen kann. Vigil befasst sich mit den moralischen Implikationen unkontrollierter Unternehmensgier, während The Rainseekers die psychologischen Auswirkungen groß angelegter Umwelttechnik untersucht. Bei diesen Erzählungen handelt es sich nicht um eskapistische Fantasien, sondern vielmehr um Gedankenexperimente, die den Leser dazu zwingen, sich mit unbequemen Wahrheiten über unsere Gegenwart und mögliche Zukunft auseinanderzusetzen.

Die Einbeziehung von Tim Wintons Juice als entsprechende Empfehlung unterstreicht diesen Punkt zusätzlich. Insgesamt legen diese Bücher nahe, dass die Konsequenzen vergangener Handlungen auch in ferner Zukunft weiterhin das menschliche Schicksal prägen werden. Science-Fiction sagt im besten Fall nicht so sehr die Zukunft voraus, sondern spiegelt vielmehr unsere Ängste und Hoffnungen wider.

Letztendlich sind „Vigil“ und „The Rainseekers“ fesselnde Lektüren, die herkömmliche Genre-Erwartungen in Frage stellen. Sie erfordern nicht nur Unterhaltung, sondern auch Reflexion und erinnern uns daran, dass selbst in den fortschrittlichsten Technologielandschaften die beständigsten Kämpfe grundsätzlich menschlich bleiben.