Den neuesten Prognosen des National Interagency Coordination Center zufolge ist der Westen der Vereinigten Staaten in diesem Sommer mit einer ungewöhnlich hohen Waldbrandgefahr konfrontiert. Neue Daten zeigen eine dramatische Verschiebung des Risikoniveaus im Vergleich zu Anfang dieses Jahres, wobei sich Hochrisikozonen viel weiter nach Norden und Osten ausbreiten, als typische saisonale Muster vermuten lassen.
Eine sich schnell ausdehnende Risikozone
Der auffälligste Aspekt der neuen Prognose ist die geografische Verteilung der Gebiete mit „erhöhtem Risiko“. Während der März-Ausblick nur einen kleinen Bereich mit hohem Risiko im Südwesten zeigte, zeigt der Juni-Bericht, dass sich diese Gefahrenzonen – auf offiziellen Karten rot markiert – über die Rocky Mountains, den pazifischen Nordwesten und Nordkalifornien erstrecken.
Experten weisen darauf hin, dass diese schnelle Ausbreitung nach Norden für diese Jahreszeit höchst ungewöhnlich ist. Typischerweise gibt es im Juni eine anhaltende Schneedecke in den Bergketten, die dazu beiträgt, die Landschaft feucht zu halten. In diesem Jahr trocknet die Landschaft jedoch viel schneller aus als erwartet.
Die Treiber: Schneedürre und extreme Hitze
Mehrere Umweltfaktoren kommen zusammen, um einen „perfekten Sturm“ für die Entstehung von Waldbränden zu schaffen:
- Beispiellose Schneeschmelze: In der Four Corners-Region kam es vier bis sechs Wochen früher zur Schneeschmelze als zu jedem zuvor aufgezeichneten Zeitpunkt.
- Extreme Temperaturspitzen: Die jüngsten Hitzewellen haben die Vegetation ausgetrocknet. Beispielsweise verzeichnete Albuquerque seinen frühesten 90-Grad-Tag am 21. März – mehr als sechs Wochen früher als der vorherige Rekord von 1947.
- Niedrige Schneedecke: Das Fehlen von Winterschneeansammlungen in Kombination mit überdurchschnittlich hohen Temperaturen hat dazu geführt, dass weite Teile des Westens in einem Zustand extremer Trockenheit verharren.
Klimatologen vermuten, dass die Kombination aus solch niedriger Schneedecke und rekordverdächtigen Temperaturen ohne den Einfluss des Klimawandels praktisch unmöglich wäre.
Die Logistik der Brandbekämpfung
Die Hauptsorge der Einsatzkräfte ist nicht nur die Intensität einzelner Brände, sondern auch das Ausmaß gleichzeitiger Ausbrüche.
„Unsere Brandbekämpfungsapparatur hängt zum Teil davon ab, dass nicht die gesamte Region gleichzeitig in Flammen steht“, warnt Matthew Hurteau, Direktor des Center for Fire Resilient Ecosystems and Society an der University of New Mexico.
Das Management von Waldbränden basiert auf einer „mobilen“ Strategie, bei der die Teams von einem Hotspot zum anderen wechseln. Wenn im gesamten Westen gleichzeitig Brände ausbrechen, könnten die Ressourcen – wie Wasserbomber, Spezialmannschaften und Ausrüstung – bis zum Äußersten beansprucht werden und bestimmte Regionen gefährdet machen.
Blick in die Zukunft: Variablen und Volatilität
Obwohl die Karten ein hohes Risiko anzeigen, sind sie keine Garantie für eine Katastrophe. Lokale Faktoren wie Windmuster und plötzliche Niederschläge können das Ergebnis drastisch verändern.
- Der „Regen“-Faktor: Die jüngsten Regenfälle in Gebieten wie Albuquerque haben vorübergehend für Linderung gesorgt. Ein nasser Frühling könnte möglicherweise das Gesamtrisiko senken, wie in den Vorjahren zu beobachten war.
- Zündspitzen: Experten sind im Hinblick auf den Juli besonders vorsichtig und weisen darauf hin, dass der Vierte Juli historisch gesehen der Tag mit der höchsten Zahl an Bränden ist.
- Regionale Ausnahmen: Während der Westen die Hauptsorge darstellt, erhöht die Dürre auch die Risiken in Gebieten wie Florida. Im Gegensatz dazu bleibt Südkalifornien vorerst relativ stabil, da die Hauptsaison normalerweise später im Sommer oder Herbst beginnt.
Zusammenfassung
Im Westen der USA beginnt eine Waldbrandsaison mit hohem Risiko, die durch rekordverdächtige Hitze und vorzeitige Schneeschmelze verursacht wird. Während Niederschläge die Gefahr abmildern könnten, stellt das schiere geografische Ausmaß der Bedrohung eine erhebliche Herausforderung für die Notfallressourcen dar.
