Plainsong ist nicht nur alte Kirchenmusik. Es ist der klangliche Vorfahre von fast allem, was danach kam. Wenn Sie diese einzelne, unerschütterliche Melodielinie in einer Kathedrale hören, hören Sie Plainsang. Der Begriff weist normalerweise direkt auf den Gregorianischen Gesang hin, die mittelalterlichen lateinischen Hymnen, die jahrhundertelang den religiösen Klang des Westens bestimmten. Aber das Wort deckt noch mehr ab. Es umfasst ambrosianische, gallikanische und mozarabische Gesänge aus dem Westen. Es erstreckt sich auch über die östliche Tradition und umfasst byzantinische, syrische, koptische, äthiopische und armenische Gesänge. Sogar einige jüdische und hinduistische Gesänge passen zur Beschreibung.
Der Name selbst sagt Ihnen genau, was Sie hören. Es stammt von der lateinischen Phrase cantus planus aus dem 13. Jahrhundert, wörtlich „einfaches Lied“. Warum schlicht? Weil es an der Komplexität mangelt, die darauf folgte. Es gibt keine Harmonie. Kein Kontrapunkt. Nur eine Stimme, eine Melodielinie. Im Lateinischen nennt man das Monophonie.
Wie sich Plainsong von polyphoner Musik unterscheidet
Der wirkliche Unterschied liegt nicht in den Texten. Es liegt am Rhythmus. Plainsong hat einen ungemessenen Rhythmus. Die Noten fließen ohne strengen Takt, angetrieben durch die natürliche Kadenz des Textes. Dies steht in scharfem Kontrast zur polyphonen Musik, bei der mehrere unabhängige Melodielinien miteinander verwoben sind. Polyphonie wird gemessen. Es folgt einem strengen Metrum. Im Mittelalter wurde dieses Lied cantus mensuratus oder cantus figuratus genannt – „gemessenes“ oder „figuriertes“ Lied.
Warum ist das jetzt wichtig? Plainsong zwingt den Zuhörer, langsamer zu werden. Es gibt keinen Trommelschlag zum Tanzen. Keine Basslinie, zu der man den Kopf bewegen kann. Nur der Rohtext, mit einer Klarheit vorgetragen, die in der modernen Produktion oft verloren geht. Es ist intim. Es ist krass. Und es ist überraschend modern in seinem Minimalismus.
Plainsong ist nicht „einfach“ im Sinne von einfach. Die Struktur ist zwar einfach, aber das emotionale Gewicht, das eine einzige unbegleitete Stimme ausstrahlt, ist immens.
Sie brauchen keinen Synthesizer, um Ehrfurcht zu empfinden. Sie brauchen nur eine Stimme und einen Raum, der den Klang enthält. Das ist die Kraft des einfachen Liedes. Es lässt dem Zuhörer Raum, die Stille auszufüllen.















