Der NASA-Rover Curiosity hat beeindruckende Bilder von seltsamen Felsformationen auf dem Mars aufgenommen, die verblüffende Ähnlichkeit mit den Schuppen eines riesigen Reptils haben. Während die visuelle Ähnlichkeit mit „Drachenschuppen“ die öffentliche Vorstellungskraft geweckt hat, vermuten Wissenschaftler, dass diese Strukturen tatsächlich ein Fenster in die geologische und wasserreiche Vergangenheit des Planeten sind.
Die Entdeckung in Antofagasta
Die ungewöhnlichen Merkmale wurden dokumentiert, als der Rover Curiosity in Richtung Antofagasta reiste, einem 10 Meter breiten Einschlagskrater an den Hängen des Mount Sharp im Gale-Krater.
Die Anfang April aufgenommenen Bilder (Mars-Sonnen 4859 und 4865) zeigen eine riesige Fläche aus Felsen, die mit dicht gedrängten, vielschichtigen Mustern bedeckt sind. Diese „Schuppen“ scheinen sich über mehrere Meter über die Marslandschaft zu erstrecken und erzeugen auf dem Boden ein strukturiertes, wabenartiges Aussehen.
Die „Waage“ entschlüsseln
Während die Muster organisch aussehen, handelt es sich tatsächlich um polygonale geologische Strukturen. Planetenforscher am Jet Propulsion Laboratory (JPL) der NASA stellten fest, dass sie zwar bereits auf solche Texturen gestoßen sind, deren schiere Fülle in diesem speziellen Bereich jedoch unerwartet ist.
„Wir haben solche Gesteine mit Polygonmuster schon früher gesehen, aber sie schienen nicht ganz so häufig vorzukommen“, erklärte Abigail Fraeman, Planetenforscherin am JPL.
Wie entstehen diese Muster?
In der Planetenwissenschaft sind solche Wabenstrukturen typischerweise das Ergebnis von Umweltbelastungen. Wissenschaftler untersuchen derzeit zwei Haupttheorien:
– Austrocknung: Das Austrocknen von altem, nassem Schlamm, wodurch die Oberfläche Risse in geometrischen Formen verursacht.
– Unterwasserbewegung: Die Verschiebung von Eiskristallen unter der Marsoberfläche, die den Boden in polygonale Muster drücken kann.
Durch die Analyse der von Curiosity gesammelten chemischen Daten und hochauflösenden Bilder wollen Forscher herausfinden, welcher dieser Prozesse – oder vielleicht eine Kombination aus beiden – diese Landschaft geformt hat.
Die Wissenschaft der „Tierbetrüger“
Das „Drachenschuppen“-Phänomen ist Teil eines wiederkehrenden Trends bei der Erforschung des Mars, bei dem felsige Landschaften das Leben zu imitieren scheinen. Curiosity ist bereits zuvor auf „eiähnliche“ Sphäroide und korallenähnliche Formationen gestoßen, während der Perseverance-Rover Felsen fotografiert hat, die Schildkröten ähneln.
Diese Sichtungen werden durch ein psychologisches Phänomen ausgelöst, das als Pareidolie bekannt ist – die Tendenz des menschlichen Gehirns, bedeutungsvolle Bilder wie Gesichter oder Tiere in zufälligen Mustern wahrzunehmen. Während diese „Kreaturen“ nichts weiter als geologische Zufälle sind, verdeutlichen sie doch die komplexen und vielfältigen Texturen der Marsoberfläche.
Schlussfolgerung
Die Entdeckung dieser weit verbreiteten polygonalen Gesteine bietet Curiosity eine neue Gelegenheit, die alte Klima- und Wassergeschichte des Mars zu untersuchen. Obwohl sie wie die Überreste von Fabelwesen aussehen mögen, sind diese „Schuppen“ tatsächlich wichtige Hinweise zum Verständnis, wie Wasser einst die Marsumgebung geformt hat.






















